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02
Oktober

Mittelaltermärkte erfreuen sich hierzulande immer größerer Beliebtheit. Immer mehr Menschen erliegen hierzulande dem Reiz der romantisierten Vergangenheit unseres Landes. Wenn man sich mit den unterschiedlichen Gestalten auf den Märkten unterhält, so hört man unterschiedlichste Gründe, warum man die ganze Anstrengung auf sich nimmt. Das fängt natürlich bei denen an, die über Partner oder Partnerin hineingerutscht sind, dann gibt es einfach nur neugierige Menschen, Interesse an alten Fertigkeiten wie Schwertkampf oder Handwerk, die Mittelalter-Romantiker und, und, und.

Ich bin vor einigen Jahren über den Schwertkampf an das mittelaltern gekommen und habe vor allem den Handwerklichen Aspekt schätzen gelernt. Meine Gewandung ist größtenteils selbst genäht, Lederarbeiten stehen auch schon auf dem Plan und mit Holz habe ich immer schon gern gearbeitet. Und die Märkte, an denen ich dieses Jahr teilnehmen durfte, waren auch sehr schön – der Grund, warum ich nächstes Jahr mit meiner Truppe, den „Schergen des Bischofs von Osnabrück“ aus Fürstenau, an den ersten Märkten mit eigenem Lager teilnehmen möchte.

Die ersten Erfolge haben wir auch schon zu verbuchen: Dreimal gab es in Fürstenau schon das „Spectaculum“, für das wir von den Fürstenauer Nachtwächtern (Fremdenführer) engagiert wurden und dort für die Schaueinlagen sorgten. Auch einen großen Teil des Schauspiels haben wir übernommen und sind von Mal zu Mal besser geworden.

Ins Mittelaltern kann man nicht „mal eben so“ einsteigen. Wie so Vieles ist das Nachspielen des Mittelalters zumindest für mich eine Entwicklungssache. Am Anfang nahm man ein (geliehenes) Schaukampfschwert in die Hand und schlug beim Training auf seinen Trainingspartner ein. Dann kam die Auseinandersetzung mit den historschen Hintergründen – viel, sehr viel Lesen, das Internet und auch die örtliche Universitätsbibliothek sind hilfreich, andere Literatur muss man für klingenden Euro in Buchform bestellen.
Grade das Thema „Authenzität“ ist für Viele ein ganz großes Problem: Die einen tun so, als würden sie die Schafe selbst züchten, aus deren Wolle ihre Mittelaltergewandung ist und weben und nähen von Hand, die anderen denken da eher praktisch und verwenden aktuelles Material und nähen mit Maschine. Selbst wenn man bei den diversen Händlern seine Ausrüstung zusammenkauft, darf man laut Reglement auf den meisten Märkten mitlagern. Grund genug zum Streiten ist „das böse A-Wort“ für viele Heerlageristen allemal.

Mittlerweile spiele ich eine fiktive Figur mit einer fiktiven Geschichte, die aber recht stramm an den historischen Fakten und damaligen Bräuchen und Sitten festgemacht ist. Unsere Truppe ist die Burgbesatzung der Fürstenauer Festung im Jahr 1376 und innerhalb unserer Reihen bin ich der Kirchenvogt Conrad von Oldenburg. Als heimgekehrter Kreuzzügler König Peters des I. hat meine Figur also auch schon etwas von der Welt gesehen und auch durchaus sein Amt verdient. An soeiner Figur kann man dann seine Ausrüstung und Gewandung ausrichten, was einem, wenn man zumindest einen kleinen Authenzitätsanspruch hegt, das Leben wesentlich erleichtert.

Für das Mittelaltern brauchts also an viel Eigeninitiative, Durchhaltevermögen und einen gewissen Spieltrieb. Auch ist es sinnvoll, wenn Freunde dieses Hobby teilen, denn Vieles ist allein garnicht zu stemmen. Alternativ kann man sich einer bestehenden Truppe anschließen – genug Gruppen gibt es hierzulande jedenfalls. Kontaktfreudig sollte man auch zu anderen Lageristen oder Händlern sein, denn man wird zumindest auf den Märkten viele Menschen kennenlernen.

Wen jetzt auch das Interesse packt, darf mich gern fragen. Ich helfe gern, wo es mir möglich ist.

Euer Conrad von Oldenburg

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