Anmelden
09
Oktober

Caffenol

Written by Matthias. No comments Posted in: Fotografie

Canon EOS 30, Mahn UP100+, Caffenol

Seit einiger Zeit setze ich mich ja mit der Analogfotografie auseinander und habe mein Equipment hier ja bereits teilweise vorgestellt. Aber die Kamera ist nur der erste Teil, der Film der Zweite, und die dritte Komponente in der Kette ist das Entwickeln und somit die Chemie, die dafür verwandt wird. Meinen ersten Schwarzweißfilm habe ich in Caffenol entwickelt und auch heute nutze ich die „Pampe“ immernoch sehr gern, auch wenn mir mittlerweile höherwertigere Chemikalien zur Verfügung stehen.

Das Rezept findet sich im Internet, die Zutaten gibt es bei dm (Waschsoda und Vitamin C) und Lidl (der namensgebende Kaffee, in diesem Falle „Granarom Kräftig“ – wobei sich mir die Frage stellt, ob dieses Zeug wirklich jemand trinkt ;) ); nur für das optionale Kaliumbromid habe ich mir die Hacken in den örtlichen Apotheken abgelaufen. Letztlich habe ich mir eine völlig überdimensionierte 1kg-Dose bei ebay gekauft, weil ich anders nicht fündig geworden bin – aber es geht auch ohne Kaliumbromid. Lediglich den Fixierer, den man nach dem eigentlichen Entwicklungsvorgang benötigt und die Entwicklerdose muss man im Fachhandel beschaffen, auch hier hilft das Internet.

Die ersten Entwicklungen waren bei mir mit etwas Lampenfieber garniert, danach stellt sich etwas Routine ein. Geht man das Entwickeln gut koordiniert an, dürfte man einen Durchgang in knapp über einer Stunde erledigt haben. Dabei wird die Produktivität von der Größe der Entwicklerdose bestimmt, die es in unterschiedlichen Größen auch Gebraucht im Internet zu finden sind (ich habe eine Dose mit zwei Spulen für Kleinbildfilme, die Spulen lassen sich auch verstellen für einen Rollfilm).

Canon EOS 30, Ilford FP4+ 125, Caffenol

Die Bestandteile werden getrennt in Wasser aufgelöst, lediglich das Vitamin C und das Kaliumbromid kann man schon gemeinsam auflösen. Während sich die Bestandteile in Wasser lösen, kann man die Filme aus der Filmpatrone in völliger Dunkelheit nehmen und einspulen – erst wenn die Entwicklerdose komplett verschlossen ist, kann man wieder das Licht anschalten. Ich dunkele dafür meine Küche komplett ab, alternativ kann man auch einen sogenannten Wechselsack kaufen, einen lichtdichten Stoffsack mit Gummizug-Löchern für die Hände. Eine Anleitung für das Einspulen findet man idealerweise bei Youtube. Grade dieses Video beschreibt den kompletten Vorgang inclusive der Chemie recht gut.

Der eigentliche Entwicklungsvorgang beschränkt sich dann auf kippen, warten, kippen, warten … eine Viertelstunde kann so schonmal recht lang werden, aber das nimmt man gern in Kauf. Dann den vorbereiteten Fixierer einfüllen und auch hier gelegentlich kippen oder schwenken. Während man beim Entwickler über den Kipprhythmus das Bild beeinflussen kann (bei Caffenol fällt das noch nicht so stark aus, bei besserer Chemie können die Unterschiede allerdings recht drastisch ausfallen), ist mir das beim Fixierer noch nicht aufgefallen. Allerdings sollte man auch hier die Zeiten recht präzise einhalten.

Canon EOS 30, Ilford HP5+ 400, Caffenol (Fotografiert von Flemo)

Während der Caffenol-Entwickler nur einmal benutzbar ist, ist der Fixierer öfters verwendbar. Der Fixierer ist Sondermüll und kann kostenlos beim örtlichen Entsorger abgegeben werden. Es lohnt sogar für den Entsorger den Fixierer zum recyceln weiterzugeben, da dort die Silberionen der Filmemulsion gelöst sind.

Nach dem Fixieren und dem Spülbad zum Trocknen aufgehängt, kann man schonmal schauen, ob man korrekt gearbeitet hat. Ein Scanner mit Durchlichteinheit digitalisiert das belichtete Material und invertiert mit dem richtigen Programm die Farben, so dass aus dem Negativ auf dem Bildschirm endlich das Positiv sichtbar wird. Mit einem Bildbearbeitungsprogramm nach Wahl kann man nun noch nach Geschmack Helligkeit und Kontrast nachregeln und die Ränder zuschneiden – fertig ist das digitalisierte, analoge Foto.

Das Entwickeln des Negativs ist natürlich nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten, die sich bei der Analogfotografie bieten. Ausbelichten auf Fotopapier, Cyanotypie, Doppelbelichtung, pushen oder pullen von Filmen … es gibt noch reichlich Spielraum zum Austoben. Man hat wesentlich mehr Faktoren, die den Bildausdruck beeinflussen, als ein digitaler Bildsensor bietet.

Ich bin jedenfalls noch gespannt auf die Dinge, die da noch kommen werden :)

0 Responses

Stay in touch with the conversation, subscribe to the RSS feed for comments on this post.

Some HTML is OK

or, reply to this post via trackback.